In den vergangenen Wochen haben wir über den geplanten Abschluss eines Staatsvertrages zwischen der Freien und Hansestadt Hamburg und verschiedenen muslimischen Verbänden informiert. Gestern war verschiedenen Medien zu entnehmen, dass die Verhandlungen nun abgeschlossen sein sollen. Lediglich die Bürgerschaft müsse noch zustimmen, so der Erste Bürgermeister Olaf Scholz (SPD). Selbige gilt aufgrund der herrschenden Mehrheitsverhältnisse als sicher, da lediglich eine einfache Mehrheit erforderlich ist.
In einer auf der Internetseite der Stadt Hamburg veröffentlichten Zusammenstellung von Fragen und Antworten zur Thematik fällt dem aufmerksamen Leser auf, dass nur auf jene kritischen Fragen geantwortet wird, bei welchen der Senatskanzlei zumindest noch eine beruhigende Antwort eingefallen ist. So wird mitgeteilt, dass die islamischen Verbände nicht den christlichen Kirchen gleichgestellt, Muslime nicht gegenüber anderen Religionsgemeinschaften bevorzugt (eine Selbstverständlichkeit, deren ausdrückliche Erwähnung sich uns nicht erschließt) und keine parallelen Rechtswelten installiert werden. Viele weitere Fragen, welche unter anderem von der FREIHEIT in einer Anfrage an Herrn Scholz gerichtet wurden, werden nicht beantwortet. So wird beispielsweise nicht erwähnt, in welcher Sprache der islamische Religionsunterricht stattfinden soll und welche inhaltliche Ausrichtung des Unterrichts von den Verhandlungspartnern angedacht ist. Letztere Frage erscheint der FREIHEIT insbesondere vor dem Hintergrund relevant, dass der Koran andere Religionsgemeinschaften verurteilt und sich diese Verurteilung in einigen Teilen auf die westliche Gesellschaft im Allgemeinen bezieht. Auch eine Antwort auf die Frage nach der Ausbildung der Religionslehrer bleibt die Senatskanzlei bis heute schuldig.
DIE FREIHEIT kritisiert vor allem zwei Aspekte dieses geplanten Vertragswerkes: Während Aleviten die rituelle Gottesverehrung ablehnen und Vorschriften der Sharia sowie die fünf Säulen des Islam für irrelavant halten, sind die meisten anderen Verhandlungspartner Vertreter eines konservativen Islam. Einige von ihnen werden mittelbar von den Verfassungsschutzbehörden beobachtet. Die DITIB, welche ebenfalls Verhandlungspartner war, ist de facto ein Ableger des türkischen Innenministeriums. Es ist skandalös, dass sich diese Institution in Angelegenheiten der deutschen Innenpolitik einmischen kann. Die Begeisterung von Zekeriya Altug (DITIB) ist vor diesem Hintergrund natürlich nachvollziehbar. Er spricht bereits von einer „positiv gewollten Anerkennung der Muslime in Hamburg von historischer Bedeutung“. DIE FREIHEIT lehnt Verhandlungen mit Verbänden, deren Verfassungstreue sich mindestens in einer Grauzone bewegt grundsätzlich ab. Mit dem Vertrag bekennen sich die islamischen Verbände pikanterweise zur „vollständigen Geltung und Achtung der staatlichen Gesetze“. Auch das ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit. Wir fragen uns, warum dies extra betont werden muss und halten die Begründung der Senatskanzlei – man brauche diesen Passus, damit es den islamischen Religionsgemeinschaften möglich sei, sich „ausdrücklich von Anhängern extremistischer islamischer Gruppierungen abzugrenzen“ – für Augenwischerei.
Wir sind zweitens empört über die Öffentlichkeitsarbeit des SPD-Senats. Angesichts der Art und Weise, wie die Hamburger Bürger häppchenweise über den geplanten Vertrag informiert worden sind und nun vor mehr oder weniger vollendete Tatsachen gestellt werden, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass eine kritische und öffentliche Debatte bewusst verhindert werden sollte. Dies ist nicht das, was wir uns unter echter Demokratie vorstellen! Vor dem Hintergrund der gestrigen Einlassungen, wonach lediglich die Zustimmung der Bürgerschaft fehle, erscheint die Aussage in einem an den Hamburger Landesverband der FREIHEIT gerichteten Schreiben, eine „umfassende öffentliche Diskussion“ werde „im Rahmen der parlamentarischen Behandlung des Projekts“ möglich sein, geradezu lächerlich. Wir fordern in Angelegenheiten mit derartiger Brisanz eine umfassende Beteiligung der Öffentlichkeit! Wir wollen nicht vor vollendete Tatsachen gestellt werden. Aus diesem Grund fordern wir mehr direkte Demokratie, mehr Möglichkeiten der Beteiligung am politischen Prozess.
Ausgehend von dem Wissen, dass der Islam nicht nur eine Religion, sondern vor allem auch eine politische Ideologie ist, fordert DIE FREIHEIT eine Überprüfung aller in Deutschland aktiven islamischen Vereine und Verbände auf ihre Verfassungs- und Rechtstreue, auf ihren Einfluss auf die Integration und auf ihre Verbindungen zu islamischen Ländern um den Missbrauch der Religionsfreiheit zur Durchsetzung politischer Ziele zu unterbinden. Der Staatsvertrag in Hamburg trägt dazu leider nicht bei, sondern ist in dieser Hinsicht das falsche Signal!
Für den Landesverband Hamburg,
Ferdinand Storm, Vorsitzender des Landesverbandes
Anmerkung: Die Fragen und Antworten (FAQ) zur Thematik können Sie auf der Webpräsenz der Freien und Hansestadt Hamburg unter dem folgenden Link nachvollziehen:
http://www.hamburg.de/contentblob/3552084/data/downlaod-faq-vertraege-muslime.pdf